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Neue Perspektiven auf Pflege und Ausbildung: Anja Stefanitsch berichtet aus Tansania

Anja Stefanitsch, leitende Praxisanleiterin am Heilig-Geist Hospital Bensheim, reiste im Juli nach Tansania, um ihre Erfahrungen aus Pflege und Ausbildung an der Sr. Dr. Thekla Nyangao School of Nursing und im St. Walburgs Hospital Nyangao einzubringen. Im Interview berichtet sie von ihren Eindrücken, den Herausforderungen vor Ort und davon, welche Impulse sie für ihre Arbeit in Bensheim mitgenommen hat.

Anja, du bist gerade aus Tansania zurückgekehrt. Wie kam es zu deinem Einsatz und mit welchen Erwartungen bist du aufgebrochen?

Der Wunsch, einmal in einem internationalen Hilfsprojekt mitzuarbeiten, war schon lange da. Als Krankenschwester und Praxisanleiterin beschäftige ich mich täglich mit Pflege und Ausbildung. Gleichzeitig wollte ich gerne über den Tellerrand unserer eigenen Pflegewelt hinausschauen und erfahren, wie Pflegeausbildung unter ganz anderen Voraussetzungen funktioniert. Durch die Artemed Stiftung hatte ich nun die Möglichkeit, diesen Wunsch zu verwirklichen und gleichzeitig meine beruflichen Erfahrungen einzubringen.

Und als du dann tatsächlich vor Ort warst – was hat dich als Erstes beeindruckt?

Vor allem das große Engagement. Obwohl teilweise deutlich weniger Material und Möglichkeiten zur Verfügung stehen, wird mit viel Motivation gearbeitet und gelernt. Für mich wurde dabei schnell deutlich, dass Pflege überall auf der Welt die gleiche Grundlage hat: Menschen zu helfen, Verantwortung zu übernehmen und füreinander da zu sein.

Du hast dort unter anderem mit rund 90 Auszubildenden ein Erste-Hilfe-Training durchgeführt. Wie war das für dich?

Die Tage waren intensiv und gleichzeitig sehr bereichernd. Wir haben in kleinen Gruppen gearbeitet und möglichst viel praktisch geübt. Die Auszubildenden wollten ausprobieren, stellten viele Fragen und waren mit großer Begeisterung dabei. Besonders schön war, dass aus der anfänglichen Zurückhaltung schnell ein echtes Miteinander entstand.

Das klingt nach einer besonderen Erfahrung. Gab es auch Situationen, in denen du erst einmal improvisieren musstest?

Auf jeden Fall. Eine Herausforderung war die Sprache. Nicht alle sprechen fließend Englisch und auch mein Englisch ist nicht perfekt. Mit einfachen Worten, Gestik und praktischen Übungen haben wir aber schnell Wege gefunden, uns zu verständigen. Auch beim Material mussten wir teilweise improvisieren. Das hat mir gezeigt, dass gute Ausbildung nicht nur von den Rahmenbedingungen abhängt, sondern vor allem von engagierten Menschen, die gemeinsam Lösungen finden.

Was hat dich während deiner Zeit dort besonders zum Nachdenken gebracht?

Die finanziellen Voraussetzungen. Die Ausbildung zur Pflegefachkraft kostet die Auszubildenden etwa 1.000 Euro pro Jahr – für viele Familien ist das eine enorme Belastung. Zu sehen, mit welchem Ehrgeiz die jungen Menschen ihren Weg trotzdem verfolgen, hat mich sehr beeindruckt und meinen Blick auf die Möglichkeiten, die wir in Deutschland haben, noch einmal verändert.

Jetzt bist du wieder zurück in Bensheim. Gibt es etwas, das du aus Tansania ganz konkret in deine Arbeit mit unseren Auszubildenden mitnehmen möchtest?

Ich möchte künftig noch stärker vermitteln, warum wir bestimmte Dinge tun – und nicht nur, wie sie funktionieren. Gleichzeitig nehme ich mit, welchen Stellenwert Kreativität und gegenseitige Wertschätzung beim Lernen haben. Nicht immer braucht es die neueste Technik, um Wissen gut weiterzugeben.

Wenn du jetzt mit etwas Abstand auf die Reise zurückblickst: Was bleibt für dich?

Ich bin dorthin gereist, um Wissen weiterzugeben, und habe selbst mindestens genauso viel gelernt. Die Zeit hat meinen Blick auf meinen Beruf erweitert und mir noch einmal gezeigt: Pflege kennt keine Grenzen – und voneinander zu lernen ist genauso wertvoll wie das Wissen, das man selbst weitergibt.

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